TYPO3 13 über Nacht – und am Morgen arbeitet die Redaktion weiter
In den Beiträgen „TYPO3 12 auf 13 ohne Big Bang” und „Die Generalprobe vor dem Umschaltabend” haben wir beschrieben, wie wir die internationale Weinplattform VINUM auf den Versionswechsel vorbereitet haben: in dual-kompatiblen Arbeitspaketen, die einzeln live gingen, und mit einer Generalprobe, die vier stille Fallen zutage förderte.
Dieser Beitrag handelt vom Abend selbst. Er ist kurz, und das ist die gute Nachricht.
Die Herausforderung
VINUM ist keine Website, die man nachts abschalten kann. Vier Sprachversionen, ein Mitgliederbereich für Winzer, ein Weinguide mit sechsstelligen Datenbeständen, eine Volltextsuche über mehrere hunderttausend Einträge, dazu Schnittstellen zu Abo- und Marketingsystemen. Für den Umstieg hieß das:
- Es gibt keinen Wartungsmodus. Das Fenster besteht aus Änderungen an einer laufenden Seite, nicht an einer abgeschalteten.
- Der Suchindex ist kein Beiwerk. Ihn nach dem Umstieg neu aufzubauen, dauert Stunden. In dieser Zeit wäre die Suche leer – auf einer Plattform, deren Kern das Finden von Weinen ist.
- Upgrade-Schritte sind nicht umkehrbar. Sobald die Datenbank umgeschrieben ist, führt kein Weg zurück außer dem Einspielen einer Sicherung. Die Entscheidung „weiter oder zurück” muss also fallen, solange sie noch etwas kostet, aber noch möglich ist.
- Die Redaktion arbeitet am nächsten Morgen. Ein Fenster, das überzieht, ist kein technisches Problem mehr, sondern ein betriebliches.
Unsere Lösung
Der Ablauf war ein Programm, keine Checkliste. Jeder Schritt des Umschaltfensters lag als ausführbares Skript vor – mit einem Erwartungswert und einem mechanischen Abbruchkriterium. Nicht „prüfen, ob die Seite läuft”, sondern „diese vier Sprachversionen müssen 200 antworten, sonst Abbruch”. Das nimmt die Beurteilung aus einer Nacht heraus, in der niemand gut beurteilt.
Der Rückweg war ein einziges Kommando – und zwar eines, das wir vorher auf der Testumgebung tatsächlich gefahren sind, nicht nur geschrieben haben. Gemessen brauchte er rund 27 Minuten und stellte dabei jede einzelne Datenbanktabelle zeilengenau wieder her. Erst damit war der Umkehrpunkt im Fenster eine echte Option statt einer Beruhigungsformel.
Der Suchindex wurde mitgenommen statt neu gebaut. Der bestehende Index zog vorab auf die neue Suchserver-Version um und beantwortete von der ersten Sekunde nach dem Umschalten weiter Anfragen. Der vollständige Neuaufbau lief danach im laufenden Betrieb und ersetzte die Einträge nach und nach – statt sie vorher zu löschen.
Das Fenster lag in der gemessenen ruhigsten Stunde, nicht in der gefühlten: 01:00 bis 02:30 Uhr, hergeleitet aus den Zugriffszahlen und abgestimmt mit der Redaktion.
Das Ergebnis
Der Versionswechsel lief in der Nacht auf den 5. Oktober 2026.
- Die Entscheidung stand um 02:03:51 Uhr – 26 Minuten vor dem gesetzten Umkehrpunkt.
- Der Rückweg wurde nicht gebraucht.
- Die Suche fiel nicht aus. Der vollständige Neuaufbau aller 382.420 Einträge war am selben Abend durch.
- Von 50 maschinellen Schlussprüfungen standen 44 auf grün. Die verbliebenen Abweichungen waren keine Funde, sondern ein Fehler in unserer eigenen Messung: Sie verglich Tabellen auf Gleichstand, die während der Nacht naturgemäß wachsen. Nachgezählt fehlte kein einziger Datensatz.
- Die Redaktion arbeitete am Morgen normal weiter.
Was danach auffiel, fiel am selben Tag auf und wurde am selben Tag behoben: ein Link-Dialog im Redaktionssystem, der auf einen in Version 13 entfallenen Programmteil zeigte, und drei Formulare im Mitgliederbereich, die unter der strengeren Typprüfung der neuen Version abbrachen. Alles innerhalb weniger Stunden korrigiert und ausgeliefert.
Dass es solche Punkte gibt, ist bei einem Major-Upgrade normal. Entscheidend ist, dass sie klein sind, schnell gefunden werden und niemanden daran hindern zu arbeiten.
Fazit
Ein Versionswechsel wird nicht dadurch sicher, dass man ihn gut plant, sondern dadurch, dass man ihn vorher einmal wirklich fährt – vorwärts, zurück und wieder vorwärts. Der Aufwand dafür entsteht lange vor dem Termin und ist in der Nacht selbst nicht mehr sichtbar. Genau das ist der Punkt.
Der ehrliche Nachsatz: Der größte Kostentreiber bei einem Major-Upgrade ist selten die neue Version. Es ist die Zeit, in der zwei Stände nebeneinander gepflegt werden müssen, weil die Weiterentwicklung während der Umstellung weitergeht. Diese Phase kurz zu halten, ist der wirksamste Hebel – wirksamer als jeder Trick im Fenster selbst.